Mit Biss zum Erfolg – Suck

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Vor einigen Tagen war ich mit Freunden zum Abendessen verabredet und genehmigte mir ein feines Risotto in gemütlicher Runde. Zum Dessert wurde dann in der heimischen Stube ein kleiner DVD-Abend angeboten, den man als Moviejunkie natürlich nicht ablehnen kann. Kredenzt wurden die Filme Suck und Räuberinnen. Wobei letzterer eigentlich getrost aus meinem filmischen Gedächtnis gestrichen werden kann, aber ich befürchte, dieses Verbrechen hat sich auf immer in die graue Masse oberhalb meines Halses gebrannt. Suck hingegen ist jedem zu empfehlen, der sich ein klein wenig für Musikgeschichte interessiert und sich im Genre der Horrorkomödie zu Hause fühlt.

Suck, zu Deutsch Bis(s) zum Erfolg, ist der rund 90 Minuten dauernde vierte Film des Regisseurs, Drehbuchautors und (Haupt-) Darstellers Rob Stefaniuk. An seiner Seite spielen die üblichen Verdächtigen, wenn es sich um einen Musikfilm mit Horroreinschlägen, oder einen Horrorfilm mit komödiantischen Einschlägen und viel Musik, handelt: Alice Cooper, Henry Rollins und Iggy Pop. Zu dem Trio Infernale gesellt sich darüber hinaus Moby, der in einer Rolle zu sehen ist, die man ihm so eigentlich nicht zutraut. Um was es geht? Ganz einfach: Die Rockband The Winners tourt durch Amerika und versucht erfolglos, einen Plattenvertrag zu bekommen. Als eines Morgens Bassistin Jennifer zum Tourbus kommt, ist alles anders. Sie wird von einer mysteriösen, erfolgversprechenden Aura umgeben, mit der der Erfolg als Band schnell kommt. Genauso schnell kommt aber auch die Gewissheit, dass Jennifer ein Vampir geworden ist. Doch die Vampir-Nummer ist gut für die Band: Einer nach dem anderen wird zum Blutsauger und sie bekommen den ersehnten Plattenvertrag. Sie haben nun alles was, sie wollten: ausverkaufte Hallen und Groupies, die ihren, nicht nur sprichwörtlich, letzten Tropfen Blut für ihre Idole geben. Aber mit dem Erfolg kommt ihnen auch Vampirjäger Van Helsing auf die Spur, und der findet Blutsauger gar nicht cool!

The Kids and the Vampire are alright

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Eine sehr einfach gestrickte Story, zugegeben. Aber reichlich unterhaltsam. Das liegt vor allem an den vielen Musikgeschicht-Zitaten, die einem ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubert, wenn man sie denn erkennt. Hier nur zwei Album-Zitate, die auch von ihrer Ikonographie her im Bewusstsein der Gesellschaft haften geblieben sind: Abby Road (muss ich wirklich sagen, von wem das Album ist?) und The Kids Are Alright (The Who). Auch dass der Obervampir Queeny (was für ein Name!) sehr stark an Jim Morrison erinnert, ist wohl kein Zufall. Dass mit Malcolm McDowell als Van Helsing dann auch noch ein weiterer Schauspieler auftritt, den man untrennbar mit – wenn wir für einmal auf der Musikschiene bleiben – Beethoven verbindet, ist das Sahnehäubchen oben drauf. Übrigens, bei der Musik, die The Winners performen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bandmitglieder zu Vampiren mutieren müssen, um erfolgreich zu sein.

Was besonders gefallen hat, abgesehen von den Musikgeschicht-Zitaten, sind die Übergänge. Die Band ist ja On Tour, was mit der klassischen Karte à la Indiana Jones im Hintergrund symbolisiert wird; halt nur etwas blutiger und wirrer als bei Indie. Dazwischen gibt es immer wieder kleine, liebevoll gestaltete Stop-Motion-Sequenzen mit einem Spielzeug-Leichenwagen (sowas gibt es offenbar tatsächlich) vor einer Pappmaché-Kulisse, was schon mal ein guter Einfall ist, um nicht allzu stereotyp daherzukommen. Dazu kommen noch einige kleine Kniffe, die es dem Zuschauer nie langweilig machen. So zum Beispiel beim Grenzübergang Kanada/USA: die Band wird herausgewunken (na klar) und zur Kontrolle gebeten (auch klar). Vor dem geistigen Auge sieht man schon die anstehende Leibesvisitation von statten gehen und glaubt zu wissen, dass der Zöllner das nächste Opfer der Vampirband wird. Da hat man aber den kanadischen Rock n’ Roller-Ehrenkodex nicht mit auf die Rechnung genommen. Der Zöllner tourte früher nämlich selbst als Musiker durch die Lande und lässt die Band ohne weitere Verzögerung ziehen. Da die Erwartungshaltung bei dieser Szene gebrochen wurde, denkt man sich, dass nun eben Van Helsing, der Band dicht auf den Fersen, vom Zöllner aufs Übelste gefilzt wird: Ehrenkodex unter Rock n’ Rollern. Nichts da! Die Frage des Zöllners, ob Waffen mitgeführt werden, wird von Van Helsing wahrheitsgetreu mit Ja beantwortet. Da diese Waffen aber aus Kanada ausgeführt und in Amerika eingeführt werden, ist das offenbar nicht weiter schlimm für den kanadischen Zöllner, und er lässt Van Helsing unkompliziert passieren.

Fazit: Suck ist eine unterhaltsame Horrorkomödie, die gekonnt mit der Erwartungshaltung seines Publikums spielt.

 

Regie: Rob Stefaniuk
Cast: Rob Stefaniuk, Jessica Paré, Paul Anthony, Alice Cooper, Moby, Henry Rollins
Suck, Rob Stefaniuk, Kanada, 2009, 91′

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