Wie der Vater so der Sohn – Die Hard 5

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Ich gestehe es: ich bin ein Die-Hard-Fan! Ich mag die anstrengungslose Unterhaltung mit Bruce Willis. So habe ich mich denn auch auf Teil 5 gefreut, obwohl ich mich fragte, seit wann John McClane einen Sohn hat … Nun denn, das leichte Ziehen an meinen Schläfen habe ich ignoriert und bin gestern im Kino gesessen, um mir die Edf-Version anzusehen.

Und Die Hard 5 beginnt richtig gut. Unvermittelt, ohne grosses Brimborium, fliegt ein Gerichtssaal in die Luft, gibt es eine wilde Verfolgungsjagd durch die verstopften Strassen Moskaus und massenhaft Kugeln, denen unsere Helden mühelos ausweichen können. Was will man mehr? Wo «Die Hard» draufsteht, soll auch «Die Hard» drin sein.

Bruce Willis mimt zum fünften Mal den New Yorker Polizisten John McClane, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Dieses Mal reist er nach Moskau, wo sein Sohn mächtig in der Bredouille sitzt. Jack McClane (Jay Courtney) ist angeklagt, einen Mann umgebracht zu haben. Was John nicht weiss, ist dass sein Sohn als verdeckter CIA-Agent in Moskau an einem Fall arbeitet. Er muss seinen Mitangeklagten Komarov (Sebastian Koch) befreien, denn dieser ist im Besitz von brisanten Unterlagen, die einen mächtigen russischen Politiker zu Fall bringen könnten. Und eigentlich läuft alles nach Plan für Jack und Komarov, bis McClane auftaucht und die akribische Planung seines Sohnes auf den Kopf stellt. Als den beiden Amerikanern dann auch noch Komarov abhanden kommt, muss sich das ungleiche Vater-Sohn-Gespann aufeinander einlassen und zusammen nehmen sie den Kampf gegen korrupte Politiker, wahnsinnige Terroristen und geldgierige Waffenschieber auf.

 

A GOOD DAY TO DIE HARD
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Meine anfängliche Freude über die grandiose Materialschlacht wich bald der ernüchterten Frage, wo bloss die Kerle geblieben sind, die durch echtes Fake-Glas stürzen. Zugegeben, der 58-Jährige Schauspieler ist keine 30 mehr. Ihm zuzumuten, dass er halsbrecherische Stunts vollbringt, durch enge Röhren kriecht und dabei auch immer noch einen sarkastischen Spruch auf den Lippen hat, naja, dass wäre dann wohl zu viel des Guten. Und ja, die Verfolgungsjagden, die Explosionen und die Stunts sehen auf den ersten Blick gut aus. Aber leider nur auf den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung lassen sich Ungereimtheiten entdecken. Ungereimtheiten, die schlussendlich ein Gefühl der Künstlichkeit auslösen.

McClanes are hard to kill

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Eine Ungereimtheit ist zum Beispiel bei der Flucht aus dem Safe House, wo John McClane auf mirakulöse Weise plötzlich eine Waffe aus seinen Hosenbund zieht. Dem Zuschauer wird in keiner Einstellung gezeigt, dass sich McClane diese Waffe einsteckt – man bedenke, dass der Mann erst eben in Moskau angekommen ist und so viel ich weiss, ist es auch New Yorkern Polizisten verboten, Waffen auf einem Transatlantik-Flug auf sich zu tragen.

In den Szenen im Ballsaal und der darauffolgenden Flucht gibt es weitere Ungereimtheiten. Vater und Sohn knien mit gefesselten Händen vor den Bösewichtern. McClane Junior, dessen Hände hinter dem Rücken zusammengebunden sind, kann sein Messer aus dem Stiefel hervorzaubern und die Fesseln durchtrennen. Gut, im Vorfeld hat man gesehen, wie er sich dieses Messer eingesteckt hat. Was man aber in der Folge nicht sieht, ist wie McClane Senior seine mit Kabelbindern gefesselten Hände befreit. Trotzdem können Senior und Junior sich ihre Waffen greifen und sich gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen. Nachdem der Ballsaal im Kugelhagel in seine Bestandteile aufgelöst worden ist, flüchten Vater und Sohn über ein Baugerüst an der Aussenseite des Hotels und fallen durch verschiedene hölzerne Ebenen und durch einen orangenen Schuttschlauch zu Boden. Nun sind die Schuss–Gegenschuss-Aufnahmen völlig falsch zusammengeschnitten worden. Begleitet die Kamera unsere Helden beim Fall durch den Schlauch sind keine Abstände zwischen den einzelnen Segmenten auszumachen, ja man hat schon fast das Gefühl, es sei ein einzelner, langer Schlauch, der nicht aus einzelnen Segmenten besteht. Bekommen wir aber den Gegenschuss, also die Aussenaufnahme dieses Schlauches zu sehen, sind da plötzlich riesige Abstände zwischen den Tonnen zu erkennen.

Dann verwandelt sich ein Maserati von einer Szene zur nächsten in einen Maybach, Tschernobyl ist innerhalb einer Nacht von Moskau aus per Auto zu erreichen (Tschernobyl ist in Wahrheit etwa eine Fahrt von 12 Stunden entfernt), die russische Flagge zeigt zwar die gleichen Farben – weisse, rote, blaue Balken – wie die französische Flagge, jedoch in horizontaler Anordnung und nicht wie im Film gezeigt in vertikaler Anordnung. Uuuuuund – Grenoble liegt NICHT in der Schweiz!

Zuguterletzt sind die Actionszenen mit massig CGI nachbearbeitet worden und da nicht in Moskau sondern hauptsächlich in Budapest gedreht worden ist, sind auch signifikante Gebäude und Strassenzüge der russischen Metropole ins Filmbild gezaubert worden. Im Presseheft ist zum Beispiel von einem 200 Meter langen, 14 Meter hohen Greenscreen die Rede, der auf einem eigens abgesperrten Parkplatz der ehemaligen ungarischen F1-Rennstrecke aufgestellt worden ist, wo die Autoverfolgungsjagd gedreht worden ist. Und so leid es mir tut, man erkennt die vom Computer hineingerechneten Bilder und Skylines zu gut. So verstärkt sich das Gefühl der Künstlichkeit noch mehr.

Was aber schlussendlich am meisten genervt hat, zumindest mich, ist eine winzige Szene auf der Fahrt von Moskau nach Tschernobyl. McClane Junior sitzt am Steuer und McClane Senior auf dem Beifahrersitzt nörgelt wie ein kleines Kind: «Do we have to go to the Chernobyl in Russia? There is no possibility you meant the Chernobyl in Switzerland?» – «The Chernobyl in Switzerland? — Ah, you mean Grenoble!» Und was dabei nervt ist noch nicht einmal die falsche Verortung der Stadt, sondern die Nörgelei des alten Herrn.

Fazit: Die Hard 5 kommt in keiner Weise an das Original aus dem Jahre 1988 heran, und tut sich auch schwer damit, Teil 2 und 3 zu toppen. Nummer 5 ist wohl anstrengungsloses Actionkino, ich habe aber mehr erwartet (mehr Witz, mehr Sarkasmus, mehr Authentizität).

★★★☆☆

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A Good Day To Die Hard, John Moore, USA 2013, 97′
Cast: Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch

 

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