Weder Fisch noch Vogel – Hanna

Es war einmal ein kleines Häuschen mitten in einem verschneiten Wald am äussersten Rand der Zivilisation in dem ein Vater und seine Tochter lebten. Hanna (Saoirse Ronan) wird, ganz im Gegensatz zu diesem märchenhaften und idyllischen Einstieg in den Text, von ihrem Vater zur Killerin ausgebildet. Sie lernt mit Pfeil und Bogen einen Hirsch zu erlegen, kämpft bis aufs Blut mit dem einzigen Erwachsenen in ihrem Leben und stählt in langen anstrengenden Trainingssitzungen ihren zerbrechlich wirkenden Körper. Eines Tages scheint die Ausbildung Hannas abgeschlossen zu sein und ihr Vater überlässt ihr die Entscheidung darüber, ob sie nun endlich auf die Mission geht, für die sie schon ihr ganzes Leben lang trainiert.

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Natürlich entscheidet sich Hanna dafür, die Mörderin ihrer Mutter, die CIA-Agentin Marissa Wiegler, zur Strecke zu bringen. Eine andere Möglichkeit steht seit Beginn ihres Lebens ausser Frage. Sich eine eigene Meinung zu bilden, mitten in der Wildnis, fernab von jeglichen Annehmlichkeiten der Zivilisation und nur einer einzigen Bezugsperson eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Und doch lässt uns Regisseur Joe Wright noch einige Zeit warten, bis sich Hanna definitiv für die Mission entschliesst. Erst muss sie sich, im übertragenen Sinne auch noch von all dem verabschieden, das ihr ganzes Dasein ausmacht. Wäre dies ein alter Walt Disney Streifen würde Hanna jetzt engelhaft und bezaubernd, ein kleines Liedchen auf den Lippen, durch ihren Wald streifen und sich von Klopfer, Bambi und Co. herzergreifend verabschieden.

Die böse Hexe/Mörderin der Mutter wird von der unnachahmlichen Cate Blanchett gespielt (wieso sie laut Cineman-Review «gegen den Strich besetzt» sein soll muss mir dann noch jemand erklären, der den grösseren Durchblick hat). Sie setzt alle Hebel – sprich Untergebenen in Bewegung um des Mädchens habhaft zu werden. Hanna wird also von einer Meute von Agenten und Soldaten gejagt und bald darauf auch gefangen genommen. Sie wird in einen Hochsicherheitstrakt nach Nirgendwo geschickt wo die engelsgleiche Killerin einigen Leuten das Licht ausbläst und erfolgreich fliehen kann. Sie findet sich danach mitten in der Wüste Marokkos wieder, das erste Mal in ihrem Leben wohl so richtig befreit. Dass sie während ihres durchgeplanten Amoklaufs aber die falsche «Hexe» umgebracht hat, das erkennt sie nicht. Und so quält sich der Zuschauer durch den Rest Filmes, bis zum unausweichlichen und sehr voraussehbaren Ende der Geschichte (geübte Kinogänger wissen spätestens nach der Einstiegsszene wie das Ende der bösen Hexe aussehen wird und könnten die allerletzten Worte Hannas rezitieren wenn sie denn nicht schon vor lauter Langeweile eingeschlafen sind ).

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Die Moral der Geschichte? Das Gute siegt immer über das Böse, klar. Aber irgendwie befriedigt das Ganze kein bisschen. Hauptsächlich weil das Gute und das Böse nicht so klar abgegrenzt werden können in Joe Wrights Film. Zumindest empfinde ich das so. Die Figur Marissa Wiegler wird von Cate Blanchett mit einer grossartigen Tiefe dargestellt. Zeitweise flackern da Gefühle auf der Leinwand auf, die man dieser eiskalten Figur niemals zutrauen würde. Und so bin ich während des Filmes eigentlich mehr darauf bedacht gewesen einen dieser wenigen Gefühlsregungen Marissas zu entdecken, Antworten auf Fragen in Bezug auf Marissas Verhalten zu finden, als mich mit der Geschichte Hannas zu beschäftigen. Hanna nämlich ist, im Gegensatz zu ihrer Antagonistin, eindimensional und so blutleer wie Saoirse Ronan wasserstoffblond ist. Natürlich ist es nicht unbedingt fair eine knapp 17-jährige mit einer 42-jährigen Schauspielerin zu vergleichen da liegen Welten an Erfahrungen dazwischen (auch hier frage ich mich wieder, ob der Urheber der Cineman-Review und ich im gleichen Film gesessen sind). Tatsächlich kann die jüngere der beiden nur verlieren.

Der Film Hanna ist leider weder Fisch noch Vogel, weder Märchen- noch Actionkino; er ist allenfalls bei Regenwetter und der wenig Unterhaltung versprechenden Aussicht auf die 500. Visionierung eines Godzilla-Filmes ein Lückenbüsser. Wobei, wenn ich es mir genauer überlege: ich ziehe den Typen in einem schlechten Gummi-Echsen-Kostüm der jungen Pseudo-Killerin aus dem Wald vor!

 

Regie: Joe Wright
Cast: Saoirse Ronan, Cate Blanchett, Eric Bana
Hanna, Joe Wright, USA/UK/D, 2011, 111′

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