Fantoche 2011: Kari-Gurashi no Arietti

Es ist fast schon eine Tradition einen Ghibli-Film am Fantoche zu zeigen. Auch dieses Jahr wurden die zahlreichen Trickfilmfreunde nicht enttäuscht, denn sie kamen in den Genuss des neusten Werks aus dem Hause Miyazaki und Takahata. Bei Arietti führten jedoch nicht die beiden federführenden Altmeister Regie, sondern der wohl designierte Nachfolger Miyazakis: Hiromasa Yonebayashi. Der 1973 geborene Yonebayashi studierte am Kanazawa College of Art Industrielles Design und arbeitet seit 1996 für das Ghibli-Studio. Nebst der Mitarbeit an Chihiro, Ponyo oder Erdsee konnte Yonebayashi in den letzten Jahren auch erste eigene Kurzfilme für das Ghibli-Museum realisieren. Mit Kari-Gurashi no Arietti realisierte er seinen ersten eigenen Trickfilm in Spielfilmlänge, basierend auf dem Drehbuch Miyazakis.

So ist also nicht verwunderlich, dass Kari-Gurashi no Arietti ein typischer Ghibli-Film ist. Ein Mann, der seit 15 Jahren für dieses Studio arbeitet und Teil dieses Universums ist, der überlässt nichts dem Zufall und bringt das nötige Herzblut mit. Auch wenn in Arietti keine wandelnden Schlösser, Totoros oder wilde Prinzessinnen auftauchen und praktisch gänzlich auf das Fantastische verzichtet wurde, ist doch ganz klar erkennbar, aus welchem Hause Arietti stammt. So erinnert die Katze in dieser Geschichte immer wieder an einen bestimmten Nachbarn (Totoro) und Arietti selbst ist eine Mischung aus Nausicaä und Mononoke, nur nicht ganz so wild. Nebst einigen versteckten und ganz offen gezeigten Verweisen auf das Ghibli-Universum ist Arietti aber vor allem eine pure Explosion an Bewegung und Detailgenauigkeit. Einmal sehen reicht da beinahe nicht aus. Die Geschichte ist bekannt, eine Adaption eines Kinderbuchklassikers. Wenn man den Titel überzsetzt, dann wird dem einen oder anderen wohl auch ein Licht aufgehen: Arietti die Borgerin.

Genau, es ist die Geschichte rund um kleine Leute, die unentdeckt unter uns leben und das Nötigste von den grossen Menschen borgen. Arietti, ein 14-jähriges Borgermädchen lebt mit ihrer Mutter und ihrem Vater unter dem Haus einer älteren Dame, die eines Tages Besuch bekommt von ihrem kranken Neffen. Sho ist zur Erholung da, denn ihm steht eine Operation bevor. In seinem Zimmer steht ein prunkvoll eingerichtetes Puppenhaus, das einst seiner Mutter gehörte. Wie ihm seine Tante erzählt sei das Puppenhaus von ihrem Vater erbaut worden, als Geschenk für die kleinen Leute, die ebenfalls in dem Haus wohnen. Doch diese liessen sich schon seit Jahren nicht mehr blicken. Die Borger haben nämlich eine Regel: Geborgt wird nur das Nötigste und nur dann, wenn sein Fehlen nicht entdeckt wird. Ein Puppenhaus, extra eingerichtet für sie, das ist quasi eine Falle. Auch Arietti kennt diese wichtige Regel, dennoch wird sie eines Nachts beim Borgen eines Taschentuches von von dem kranken Jungen entdeckt. Sho versucht in den Tagen darauf Kontakt zu den kleinen Leuten aufzunehmen, doch das Misstrauen der Borger den grossen Menschen gegenüber ist sehr gross. Dennoch freunden sich die beiden ungleichen Kinder an und gemeinsam erleben sie turbulente Zeiten im beschaulichen Haus der alten Dame.

 

Kari-gurashi no Arietti
Regie: Hiromasa Yonebayashi
Ghibli Studio, Japan, 2010, 94′

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